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Bisherige Erfolge

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> Schrift. Gut. Schützen.
188 Modellprojekterfolge der Pilotphase der KEK von 2010 bis 2015 sind jetzt online.

 

Innovativ, öffentlichkeitswirksam und modellhaft – das sind die Kriterien, die KEK-geförderte Projekte erfüllen müssen. Seit 2010 haben wir jedes Jahr bundesweit ausgewählte Vorhaben unterstützt, die sich mit der Erhaltung von schriftlichem Kulturgut befassen. Dabei setzen wir auf den Dominoeffekt: Wir geben Archiven, Bibliotheken und Museen finanzielle Anreize, wertvolle Bestände systematisch zu erhalten, zu schützen und entsprechende praktische Maßnahmen zu entwickeln. Als Vorbilder regen die Partner wiederum weitere Institutionen an, sich aktiv mit dem Schutz ihrer kulturellen Schätze zu befassen. So wird ein doppelter Effekt erzielt: Zum einen sichern und bewahren wir national herausragende Schriftbestände. Zum anderen treiben wir die wissenschaftliche Entwicklung innovativer Verfahren und Erfolg versprechender Techniken zur Erhaltung schriftlicher Dokumente entscheidend voran.

KEK-Modellprojekte werden unter einem bestimmten Jahresthema gefördert:

  • 2015 - Vergessene Kostbarkeiten
  • 2014 - Verblassende Schrift - Verblassende Farbe
  • 2013 - Vorsorge im Großformat
  • 2012 - Mit vereinten Kräften
  • 2011 - Flammen, Fluten und Zerfall
  • 2010 - Der Auftakt

Detaillierte Ausführungen zu den bisherigen Erfolgen sowie einen Überblick zur Modellprojektförderung der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) von 2010 bis 2014 finden Sie im > Tätigkeitsbericht der KEK.

Die Jahresthemen im schnellen Überblick

2014

2015 Vergessene Kostbarkeiten

Im Jahr 2015 standen die "Vergessenen Kostbarkeiten im Mittelpunkt". Gefördert wurde die Restaurierung von außerordentlichen Einzelobjekten, einzigartigen Zimelien oder herausragenden Preziosen in Sammlungen, die gewöhnlich nicht im Licht und Augenmerk der Öffentlichkeit stehen. Die modellhafte konservatorische Bearbeitung von unverwechselbaren Einzelstücken, die gerade auch in kleineren Sammlungen, Archiven und Bibliotheken verwahrt werden, macht Reichtum und Vielfalt des schriftlichen Kulturguts in Deutschland sichtbar – zugleich führt die Bearbeitung dieser Einzelstücke
deren Gefährdung und den drohenden Verlust der unersetzbaren wertvollen Originale vor Augen.

2014 Verblassende Schrift - Verblassende Farbe

Der Themenkomplex „Schrift- und Farbverlust“ wurde in der Modellprojektförderung 2014 in den Fokus gerückt. Von insgesamt 22 geförderten Modellprojekten haben zwei innovative Forschungsansätze zur Lesbarmachung von verwaschener und ausgeblichener Schrift und Farbe Unterstützung erhalten: Die Fachhochschule Köln erprobte unter Einsatz neuartiger Lichtquellen und Filter, wie derartig beschädigte Textinformationen wieder sicht- und lesbar gemacht werden können. Das Archiv der Deutschen Akademie der Naturforscher – Nationale Akademie der Wissenschaften – Leopoldina e.V. hat sich ebenfalls dieser Fragestellung gewidmet. Im Modellprojekt zur Wiedersichtbarmachung von ausgeblichenem Bleistift und Kopierstift wurden mittels einer bildgebenden spektroskopischen Methode exemplarisch Absorbtionen verschiedener Schreibmittel gesucht und geprüft, wie diese verblassten Schriften wieder erkennbar gemacht werden können. Damit liegen nun ausschnittsweise Ergebnisse zu einem Problemkomplex vor, der inzwischen weite Bereiche der modernen schriftlichen Überlieferung in Gedächtnisinstitutionen betrifft.

2013

2013 Vorsorge im Großformat

2013 wurde der Erhalt von Großformaten wie Karten, Plänen oder Folianten gefördert. So arbeitete das Staatsarchiv Hamburg beispielsweise an der Restaurierung der Architekturpläne von Fritz Höger oder die Deutsche Kinemathek in Berlin an einem Restaurierungsprojekt zu unikalen Filmplakaten aus den 1920er Jahren, die viele Jahre kriegsbedingt in einem Salzstollen ausgelagert und davon noch immer beschädigt waren. In der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe wurde für eine 27 Kilo schwere Biblia hebraica ein Spezialwagen angefertigt, um Beschädigungen vorzubeugen, die schlicht durch die Benutzung dieses Schwergewichts entstehen. Insgesamt erhielten 25 Modellprojekte Unterstützung.

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Badische Landesbibliothek

© Badische Landesbibliothek

  © Badische Landesbibliothek

Das größte und schwerste Buch der Badischen Landesbibliothek ist eine hebräische Bibelhandschrift mit aramäischer Übersetzung aus dem 12./13. Jahrhundert, die aus dem Besitz des bedeutenden deutschen Humanisten und Gelehrten Johannes Reuchlin (1455-1522) stammt. Durch die außerordentliche Größe und das Gewicht von 27 kg wird die Benutzung des Pergamentcodex sehr erschwert: Jede Bereitstellung bedeutet für das Buch eine enorme physische Belastung und die Anfälligkeit für Beschädigungen ist hoch. Mit Fördermitteln der KEK konnte ein ausziehbarer Spezialwagen hergestellt werden – eine Einzelanfertigung, die allein auf dieses Objekt angepasst ist. Dieser Spezialwagen mit aufmontierter Vitrine hat multifunktionalen Charakter: Die mittelalterliche Handschrift kann nun dauerhaft bestandsschonend aufbewahrt, transportiert, aufgeschlagen, gelesen und repräsentativ ausgestellt werden – ebenso können hierdurch Schäden durch Licht, Staub und Klimaschwankungen vermieden werden.

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Kinemathek Berlin

© Kinemathek Berlin

Die Kinemathek Berlin besitzt einen einmaligen Bestand mit einer abenteuerlichen Überlieferungsgeschichte: Dabei handelt es sich um Kinoplakate aus den 1920er Jahren, die lange Zeit kriegsbedingt im niedersächsischen Salzbergwerk Grasleben ausgelagert waren. Es wird vermutet, dass diese Unikate, unter denen sich auch verbotene Plakate befinden, vormals zum Bestand des Reichsfilmarchivs gehörten. Das komplexe Schadensbild dieses interessanten Konvoluts, das nicht zuletzt in einzigartiger Weise den Film als neues Medium dokumentiert, stellte die Restaurierung vor große Herausforderungen: Geschädigt waren die Objekte nicht nur durch das Eindringen von Salzkristallen, sondern die Plakate zeigten auch deutliche Brandspuren. Zahlreiche Einzelstücke der ursprünglich 100 x 140 cm großen Plakate konnten zum Teil als Einzelteile und Fragmente geborgen werden. Erst Jahrzehnte nach seiner Auslagerung konnte dieser wertvolle und geschichtsumwobene Bestand im Jahr 2013 mit Mitteln der KEK restauriert und der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden.

2012

2012 Mit vereinten Kräften

Unterstützung für rechtzeitige Vorsorge, Vernetzung und Öffentlichkeitsarbeit
Unter dem Motto „Nationales Erbe allein auf weiter Flur – Schutz im Verbund“ ging es 2012 bei den 37 Modellprojekten nicht nur um die Rettung einzelner wertvoller Objekte, sondern auch um vorbeugenden Schutz. Drei Aktionsfelder standen im Vordergrund:

Vorsorge
Schutz beginnt schon vor dem Notfall: Schriftliches Kulturgut kann nur dann dauerhaft bewahrt werden, wenn die rechtzeitige und effiziente Vorsorge für Einrichtungen, die unser kulturelles Gedächtnis hüten, zum Pflichtprogramm wird.

Zusammenarbeit
Ein umfassendes Schutzprogramm wiederum profitiert davon, vorhandenes Know-how und Kompetenzen zu bündeln. Es ist wichtig, dass Bibliothekare/innen, Archivare/innen und Restauratoren/innen Netzwerke schaffen, Erfahrungen austauschen und in den Dialog treten.

Aufmerksamkeit
Das Ziel: bei der breiten Bevölkerung ein Problembewusstsein zu erzeugen. Denn letztendlich ist die Bewahrung unserer schriftlichen Kulturgüter nicht weniger als eine nationale Aufgabe, die nur mit vereinten Kräften zu bewältigen ist.

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Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden

   Notfallübung in Münster © Landesarchiv NRW

Manchmal muss es schnell gehen. Hochwasser oder Brände sind die akuten Katastrophen, die wertvolle Originale und Kulturschätze am häufigsten zerstören. Das Brand- und Katastrophenschutzamt Dresden erhält sieben Palettenboxen mit Notfallmaterialien. Damit ausgestattet kann die Feuerwehr im Ernstfall als ‚Notfallzug Kulturgutschutz‘ ausrücken. Mithilfe der Materialien in der Box können die Einsatzkräfte vor Ort Kulturgüter bergen, erste Notfallmaßnahmen an geschädigten Objekten durchführen und diese schließlich fachgerecht verpacken, um sie an Restauratoren/innen zu übergeben. Auch im Fall von Kulturgütern gilt: "Übung macht den Meister". Alle Beteiligten müssen den richtigen Umgang mit den Notfallmaterialien regelmäßig gemeinsam abstimmen und üben. So entsteht eine erweiterte Kommunikation zwischen Vertretern/innen der Kultureinrichtungen untereinander sowie mit den Einsatzkräften der Region.

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Berliner Medizinhistorisches Museum der Charité

   © Berliner Medizinhistorisches Museum der Charité,
   Foto: Christa Scholz

Rudolf Virchow (1821-1902) gilt als Begründer der modernen Pathologie. Anhand naturwissenschaftlicher Methoden bewies er als erster, dass Krankheiten biologische Ursachen haben. Damit schuf er einen Grundpfeiler der modernen Medizin. Seine Erkenntnisse hielt er in Sektionsprotokollen fest. Im Modellprojekt der Charité werden die ersten der insgesamt 46 Protokollbände Rudolf Virchows restauriert. Eine Sonderausstellung soll die Öffentlichkeit auf die Bewahrung schriftlicher Dokumente aufmerksam machen und Sponsoren gewinnen, um auch die weiteren Bände zu retten.

2011

2011 Flammen, Fluten und Zerfall

Unterstützung bei Zerstörung durch akute oder schleichende Katastrophen
Im Jahr 2011 lag der Fokus auf der Art der Bedrohung. Dabei ging es vor allem um Bestände, die von Feuer oder Wasser beschädigt wurden oder durch schleichende Zerstörung massiv bedroht waren. 40 Projekte wurden gefördert, darunter:

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Niedersächsisches Landesarchiv Hannover

Hannover Hochwasser

An der roten Strichmarkierung ist die Höhe des Wasserstands des Leinehochwassers erkennbar.
© Franz Engel, Hannover

Hannover erlebte am 10. Februar 1946 die größte Hochwasserkatastrophe der Stadtgeschichte. Ein Großteil der stadtgeschichtlichen Aufzeichnungen ging im Landesarchiv dabei verloren. Viele der übrig gebliebenen Dokumente sind seit 1946 nicht mehr nutzbar und durch Schimmelbefall existenziell bedroht. Zu ihrer Rettung sind konservatorische und restauratorische Maßnahmen dringend notwendig. Um diese überhaupt erst einmal wirtschaftlich und effizient planen und organisieren zu können, benötigte das Landesarchiv ein Restaurierungskonzept, das die KEK ermöglichte. Gleichzeitig wurde so die Grundlage für die inhaltliche Erschließung dieser archivarischen Quellen zur napoleonischen Herrschaft in Norddeutschland 1806 bis 1813 gelegt.

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Berlinische Galerie - Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur

Hannah Höch Adressbuch Berlinische Galerie 2011

        © Berlinische Galerie, Landesmuseum für
        Moderne Kunst, Fotografie und Architektur,
        Hannah-Höch-Archiv, Foto: Kai-Annett Becker

Kurt Schwitters, Hans Arp oder Piet Mondrian – die deutsche Dada-Künstlerin Hannah Höch (1889-1978) kannte sie alle, war fester Bestandteil der Kunstszene der Moderne und Spätmoderne. Eine einzigartige Hinterlassenschaft ist das Adressbuch der Künstlerin, das sie 60 Jahre lang führte. Mehr eine Zettelsammlung, stellt das Buch mit Visitenkarten, Adressen und Kontakten von 1917 bis 1978 die zentrale Kunstform Höchs dar: die Collage. Vom schleichenden Zerfall bedroht, war die Restaurierung des Originals dringend notwendig. Die besondere Herausforderung war, die individuelle Ästhetik des Werks zu erhalten. Dies gelang im Rahmen der KEK-Förderung: Die Seiten wurden stabilisiert, die Lesbarkeit verbessert. Die Berlinische Galerie kann das Adressbuch nun wieder öffentlich zeigen und macht damit das außerordentliche Zeugnis eines beeindruckenden Künstlerlebens zugänglich.

2010

2010 - Der Auftakt

Unterstützung für kleine und besondere Institutionen mit wertvollen Beständen
Im Jahr 2010 stellten Bund und Länder erstmals Mittel zur Verfügung, um vor allem kleinere Institutionen bei der Bewahrung ihrer herausragenden Sammlungen zu unterstützen. Das Ziel: die Politik mit Einzelprojekten von einer dauerhaften Finanzierung modellhafter Vorhaben zu überzeugen. 31 Projekte wurden unterstützt, zum Beispiel:

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Frankfurter Goethe-Haus

© Freies Deutsches Hochstift /
      Frankfurter Goethe-Museum

Goethes „Faust“ gilt als das bedeutendste Werk der deutschen Literatur. Eine der umfangreichsten Faust-Sammlungen mit rund 1.600 Titeln verwahrt die Bibliothek des Frankfurter Goethe-Hauses. Das Besondere: Der Bestand umfasst nicht nur Ausgaben des Goetheschen Textes, sondern diverse Publikationen rund um das Thema – von Schriften zur Sage des Doktor Faustus über historische Volksbücher bis hin zu zeitgenössischen Parodien. Über 30 Bände wurden dank der Förderung restauriert und so vor der schleichenden Zerstörung gerettet. Darunter befindet sich auch das früheste Faust-Buch aus dem 16. Jahrhundert, die Grundlage für alle späteren Texte – auch für Goethes Faust.

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Deutsches Tagebucharchiv, Emmendingen

Deutsches Tagebucharchiv Emmendingen

   © Deutsches Tagebucharchiv, Foto: Gerhard Seitz

Tagebücher ermöglichen nicht nur Einblicke in den persönlichen Kosmos eines Menschen. Mit historischem Abstand sind sie wichtige Zeugnisse über die Lebens- und Denkweise unserer Vorfahren. Im ehrenamtlich geführten Deutschen Tagebucharchiv in Emmendingen war eine einzigartige Sammlung von Original-Tagebüchern aus dem 17. bis 20. Jahrhundert von Säureschäden bedroht. Die konservatorische Maßnahme im Modellprojekt 2010 umfasste die Massenentsäuerung des Papiers und die Neuverpackung der Originale. Die Tagebücher stehen darüber hinaus nun jedermann vor Ort in der Datenbank des Archivs zur Benutzung bereit.