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Grußworte

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Bernd Neumann

Bernd Neumann
© Bundesregierung/Kugler

Die Katastrophe des Brandes der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar und der Einsturz des Kölner Stadtarchivs haben gezeigt, wie schmerzlich es ist, wenn wertvolle historische Bücher und Dokumente unwiederbringlich verloren gehen und dadurch große Lücken in unser kulturelles Gedächtnis gerissen werden. Aber auch ohne solche Katastrophen nagt nicht nur an steinernen Denkmälern und historischen Bauten der Zahn der Zeit. Viele Handschriften, Archivalien und Bücher in deutschen Archiven und Bibliotheken sind bedroht – durch den Zerfall säurehaltigen Papiers, durch Tintenfraß, Feuchtigkeit und Schimmel, aber auch aufgrund gestiegener Benutzungsfrequenzen. Auf meine Initiative hin und mit Unterstützung der Länder wurde im August 2011 die Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts bei der Stiftung Preußischer Kulturbesitz eingerichtet. Sie entwickelt eine nationale Gesamtstrategie zum Erhalt des schriftlichen Kulturguts und fördert in diesem Rahmen auch innovative Modellprojekte, für die bislang ein Gesamtbetrag von rund 1,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden konnte. Zunächst befristet auf fünf Jahre, gibt sie so den Einrichtungen wichtige Hilfestellungen und leistet einen entscheidenden Beitrag zur langfristigen Sicherung unseres kulturellen Erbes.


Bernd Neumann MdB
Staatsminister für Kultur und Medien

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Isabel Pfeiffer-Poensgen

Isabel Pfeiffer-Poensgen
© Gordon

Für das kulturelle Gedächtnis unseres Landes sind Schriftzeugnisse ebenso bedeutend und unersetzlich wie Kunstwerke von Dürer, Riemenschneider oder Liebermann. Deshalb unterstützt die Kulturstiftung der Länder bereits seit über zwei Jahrzehnten kontinuierlich den Erwerb herausragender schriftlicher Kulturschätze für deutsche Museen, Bibliotheken und Archive. So konnten beispielsweise die auf kostbarem Pergament gedruckte Prachtbibel Fürst Georgs III. mit Holzschnitten der Cranach-Werkstatt von 1541, Franz Kafkas Briefe an seine Schwester Ottla und das Autograph der berühmten Diabelli-Variationen von Ludwig van Beethoven gesichert werden. Und als sich nach dem Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln abzeichnete, dass dort Hunderttausende Zeugnisse, Urkunden, Briefe und Manuskripte verlorengegangen waren, sicherte die Kulturstiftung der Länder noch am selben Tag Soforthilfe zu. Ein Original ist durch nichts zu ersetzen und so darf nicht nur die einmalige Erwerbung, sondern muss eben auch die langfristige Sicherung viel mehr in unseren Fokus rücken. In zahlreichen, vor allem kleineren Einrichtungen fehlen jedoch die Mittel für Konservierungs- und Restaurierungsmaßnahmen und die Häuser stehen vor einer kaum zu bewältigenden Herausforderung bei dieser wichtigen Aufgabe. Mit der gemeinsamen Förderung von 31 beispielhaften Restaurierungsprojekten hatten Bund und Länder bereits im Jahr 2010 das Signal gesetzt, dass der Schutz des national bedeutsamen schriftlichen Kulturguts nur durch ihr konzertiertes Handeln zu bewältigen sein wird. Durch die gemeinsame Errichtung der Koordinierungsstelle für die Erhaltung schriftlichen Kulturguts (KEK) 2011 haben der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien und die Länder über die Kulturstiftung der Länder das Thema schließlich nachhaltig auf die Agenda gesetzt. Bereits 107 Modellprojekte konnten bundesweit mit Hilfe der KEK gefördert werden. Auch wenn wir noch am Anfang stehen: Ein wichtiger Schritt für die Rettung unseres schriftlichen kulturellen Erbes ist getan. Auf weitere erfolgreiche Jahre!


Isabel Pfeiffer-Poensgen
Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder